Gerhard Wilhelm...
Über Gerhard Wilhelm wurde schon viel geschrieben, viel diskutiert und viel gemunkelt. Er selber jedoch ist einer, der lieber im Hintergrund bleibt, sehr Bescheiden und bisweilen auch gerne mal zurückhaltend. Seine Pfeifen jedoch spielen ganz vorne mit, zumindest sind alle die eines oder mehrere Rauchgeräte von ihm besitzen dieser Ansicht...
Der „Hexer von Gernsheim“ wie jüngst von einem befreundeten Pfeifenmacher-Kollegen genannt wurde zeichnet sich vor allem durch seinen Hang zum Perfektionismus, seine selbstkritische Art und nicht zuletzt durch Experimentierfreudigkeit aus – dies jedoch nicht bei den Formen seiner Pfeifen, denn „seine“ Form hat er längst gefunden, nein vielmehr bei der Auswahl der Hölzer aus denen in der kleinen Werkstatt, die er sein Eigen nennt, die wunderschönen Pfeifen entstehen....
Stephan Beeck (SB):
Hallo Gerhard, danke daß Du Dir die Zeit nimmst ein paar Fragen zu beantworten. In vielen Foren und unter einigen Rauchern ist seit langem bekannt, daß Du nicht nur Pfeifen aus Bruyere machst. Vor allem Olive ist bei Dir zu einem beliebten Holz geworden, aber auch so exotisch klingende Hölzer wie „Ambouina“ oder „Imbuia“ findet man im Fundus Deiner Materialien. Wo liegen die Vorteile gegenüber Bruyere, bzw. wo die Nachteile und was bewegt Dich so – ich nenne es mal frech – verbissen nach Alternativem zum Bruyere zu suchen?
Gerhard Wilhelm (GW):
Zuerst mal wegen dem „Hexer“:
Das halte ich für etwas übertrieben:-) Sollte sich dieser Ausspruch auf die Verarbeitungsqualität beziehen, dann könnte ich damit einverstanden sein.
Ich habe nicht den Anspruch außergewöhnliches machen zu wollen, sondern „nur“ Gebrauchspfeifen die viele Raucher ansprechen und sich auch viele leisten können.
Bei manchen Macher hat man das Gefühl, dass „krampfhaft“ versucht wird was besonderes zu machen, möglicherweise könnten einige erfolgreicher sein wenn Sie versuchen würden „Das Einfache etwas besser zu machen“
Um aber auf Deine Frage zu kommen, es ist möglich, dass ich mich zu sehr über fehlerhaftes Bruyere geärgert habe:-) Aber auch diese Exoten machen so ihre Probleme, besonderes Augenmerk erfordert die Holztrocknung, diese kann sehr langwierig sein, was einer gewissen Spontanität sehr im Wege steht.
Sollte ich durch „Zufall“ geeignetes abgelagertes Holz bekommen wird es selbstverständlich zu Pfeifen verarbeitet:-)
Die Rückkehr zum Bruyere als überwiegendes Pfeifenholz ist beschlossen, aber Olive wird auch zukünftig eine Rolle spielen.
SB:
Um noch mal auf Deine Olivenholzpfeifen zu kommen. Woran liegt es, daß diese nicht den sonst oft als „typisch“ bezeichneten Olivenöl-Geschmack haben. Was machst du anders, als die anderen Hersteller von Olivenholzpfeifen?
GW:
Ehrlich beurteilen kann ich das nicht, sollte es so sein könnte es daran liegen, dass mein Holzhändler gute Qualitäten im Ursprungsland ankauft.
Jetzt könnte man noch vermuten, dass vielleicht der eine oder andere Pfeifenmacher sein Holz selbst „erntet“ und gegenüber einem Sägebetrieb bei der Lagerung und Trocknung eine andere Vorgehensweise hat.
Sicherlich haben Sägebetriebe die sich seit Jahren mit Olive befassen so ihre „kleinen Geheimnisse“ ich erinnere mich mal gehört zu haben, dass Olivebohlen gedämpft werden?
SB:
Ich habe beim Rauchen Deiner Olivenholzpfeifen, von denen ich mittlerweile drei Stück habe immer wieder festgestellt, daß diese extrem schnell abtrocknen und dadurch viel schneller wieder rauchbar sind, als es bei Bruyere-Pfeifen der Fall ist, ein weiterer Vorteil von Olive?
GW:
Wieder nur Vermutungen: Olive erscheint mir dichter als Bruyere zu sein und nach meinem Empfinden hat es auch nicht die Kapillarwirkung von Bruyere und das in Olive enthaltene Öl wird vermutlich auch seinen Beitrag dazu leisten.
Ich möchte an einen Artikel von Wolfgang Pointer auf daft erinnern, da wird ansatzweise davon gesprochen, dass Dunhill früher die Köpfe in Öl gesotten hat.
Vielleicht ergibt sich dieses Jahr die Möglichkeit dieses Thema in Fürfurt mit Rainer Barbie und anderen Pfeifenmachern diskutieren zu können.
SB: Ich habe eine Pfeife von Dir, die aus Ambouina gefertigt wurde. Zwei Dinge sind anzumerken, zum einen ist die Pfeife recht schwer, zum anderen habe ich das Gefühl, daß dieses Holz einen Eigengeschmack aufweist, der die Pfeife zu einer prädestinierten Pfeife für Virginia-Mischungen oder Flakes oder leichte Aromaten macht, da immer eine gewisse Eigensüße, ähnlich Kokosnuß beim Rauchen mitschwingt. Sind Ambuina-Pfeifen die richtige Wahl für „Süßkrämer“? Mit Latakia hat sie mir gar nicht gefallen wollen....
GW:
Mooreiche eignet sich besser für Latakia dieses Holz unterstützt mit seinem Modergeschmack bestens den „verbrannte Milchgeschmack des Latakia.
Ambuinamaser ist leider kaum in Top- Qualität zu bekommen sonst würde ich mehr „Süßholzpfeifen“ machen.
Ambuinamaser vom Stamm ist eine Wuchsanomaliem, der Stamm treibt sogenannte Wasserschösslinge aus, diese schrumpfen beim trocknen stärker als der Stamm, was dann kleinere Risse ergibt.
SB:
Weisen andere Hölzer auch solche charakteristischen Geschmackseigenheiten auf? Wenn ja, was passt Deiner Meinung nach zu welchem Tabak und was wäre eher nicht für Pfeifen geeignet, sondern eher was für Masochisten?
GW:
Imbuia auch Pfefferholz genannt was ich nicht nachvollziehen kann, mein empfinden war „Wick Vaporub“ das wäre was für Mentholraucher:-)
SB: Eine Imbuia-Pfeife von Dir kann ich ja auch mein Eigen nennen und Du hast Recht, das Menthol ist anfangs deutlich, verliert jedoch nach einigen Rauchopfern an Intensität und mittlerweile ist die Imbuia-Pfeife zu meiner Lieblingspfeife für „Orlik Brown Sliced“ geworden, der ein Bergamotte-Aroma aufweist. Dieses harmoniert meiner Meinung nach wunderbar mit dem Imbuia…
Da ich aber auch Menthol-Zigaretten rauche, war ich andererseits dennoch ein wenig enttäuscht. Hardcore-Mentholrauchern sollte man daher diese Illusion lieber gleich wieder nehmen.
GW: Ach…ein Fläschchen japanisches Heilöl kann ich gerne mitliefern…:-)
SB:
Spaß beiseite. Seit neuestem fertigst Du Deine Pfeifen auch in sandgestrahlter Ausfertigung an. Ich habe gesehen, daß Du auch hier einen Schritt weiter gehst und eben nicht nur Bruyere - übrigens sehen diese Pfeifen wirklich genial aus, die Du gestrahlt hast – sondern eben auch Olive und andere... Können wir da weitere Innovationen aus Gernsheim erwarten?
GW:
Olive und Ambuina sind sandgestrahlt nicht wirklich beeindruckend, daher ist in dieser Richtung nichts zu erwarten. Auf Bruyere bezogen kann ich aber sagen, dass Holz nicht gleich Holz ist. Will heißen, wenn die Maserung von vornherein schon nichts hergibt, kann man auch kein besonderes Ergebnis beim Strahlen erwarten.
Eins kann ich auch definitiv verraten: Alles was man bisher über den Druck und die Größe des Strahlmittels lesen konnte und verbreitet wurde hat sich als nicht haltbar erwiesen. Ich experimentiere weiter…
SB:
Gerhard, Du bist immer schon sehr experimentell gewesen, was kommt als nächstes? Was bringt die Zukunft? Kannst Du uns schon was verraten?
GW:
Wenn ich es weiß, dann ja:-)
SB: Danke für das kleine Interview!
Ein paar Tage nach diesem Interview erreichte mich eine Mail von Gerhard, in der er schrieb, daß er derzeit an "neuen" Formen arbeite. Ich habe ein paar Bilder erhalten, die ich hier vorstellen möchte...
schöne "klassische" Varianten...
...wie man sieht...
...ist der "Hexer" nicht zu unterschätzen ;o))
...die typische "Wilhelm" in gerade...
...und auch an eine Poker-Variante macht er sich ran,
wie man auf diesem Bild unschwer erkennen kann....

Wir dürfen also mehr als gespannt sein, was wir zu sehen bekommen, wenn Gerhard diese neuen Stücke fertiggestellt hat....
Eins ist jedenfalls sicher: Ich werde wieder zuschlagen ;o))
Der „Hexer von Gernsheim“ wie jüngst von einem befreundeten Pfeifenmacher-Kollegen genannt wurde zeichnet sich vor allem durch seinen Hang zum Perfektionismus, seine selbstkritische Art und nicht zuletzt durch Experimentierfreudigkeit aus – dies jedoch nicht bei den Formen seiner Pfeifen, denn „seine“ Form hat er längst gefunden, nein vielmehr bei der Auswahl der Hölzer aus denen in der kleinen Werkstatt, die er sein Eigen nennt, die wunderschönen Pfeifen entstehen....
Stephan Beeck (SB):
Hallo Gerhard, danke daß Du Dir die Zeit nimmst ein paar Fragen zu beantworten. In vielen Foren und unter einigen Rauchern ist seit langem bekannt, daß Du nicht nur Pfeifen aus Bruyere machst. Vor allem Olive ist bei Dir zu einem beliebten Holz geworden, aber auch so exotisch klingende Hölzer wie „Ambouina“ oder „Imbuia“ findet man im Fundus Deiner Materialien. Wo liegen die Vorteile gegenüber Bruyere, bzw. wo die Nachteile und was bewegt Dich so – ich nenne es mal frech – verbissen nach Alternativem zum Bruyere zu suchen?
Gerhard Wilhelm (GW):
Zuerst mal wegen dem „Hexer“:
Das halte ich für etwas übertrieben:-) Sollte sich dieser Ausspruch auf die Verarbeitungsqualität beziehen, dann könnte ich damit einverstanden sein.
Ich habe nicht den Anspruch außergewöhnliches machen zu wollen, sondern „nur“ Gebrauchspfeifen die viele Raucher ansprechen und sich auch viele leisten können.
Bei manchen Macher hat man das Gefühl, dass „krampfhaft“ versucht wird was besonderes zu machen, möglicherweise könnten einige erfolgreicher sein wenn Sie versuchen würden „Das Einfache etwas besser zu machen“
Um aber auf Deine Frage zu kommen, es ist möglich, dass ich mich zu sehr über fehlerhaftes Bruyere geärgert habe:-) Aber auch diese Exoten machen so ihre Probleme, besonderes Augenmerk erfordert die Holztrocknung, diese kann sehr langwierig sein, was einer gewissen Spontanität sehr im Wege steht.
Sollte ich durch „Zufall“ geeignetes abgelagertes Holz bekommen wird es selbstverständlich zu Pfeifen verarbeitet:-)
Die Rückkehr zum Bruyere als überwiegendes Pfeifenholz ist beschlossen, aber Olive wird auch zukünftig eine Rolle spielen.
SB:
Um noch mal auf Deine Olivenholzpfeifen zu kommen. Woran liegt es, daß diese nicht den sonst oft als „typisch“ bezeichneten Olivenöl-Geschmack haben. Was machst du anders, als die anderen Hersteller von Olivenholzpfeifen?
GW:
Ehrlich beurteilen kann ich das nicht, sollte es so sein könnte es daran liegen, dass mein Holzhändler gute Qualitäten im Ursprungsland ankauft.
Jetzt könnte man noch vermuten, dass vielleicht der eine oder andere Pfeifenmacher sein Holz selbst „erntet“ und gegenüber einem Sägebetrieb bei der Lagerung und Trocknung eine andere Vorgehensweise hat.
Sicherlich haben Sägebetriebe die sich seit Jahren mit Olive befassen so ihre „kleinen Geheimnisse“ ich erinnere mich mal gehört zu haben, dass Olivebohlen gedämpft werden?
SB:
Ich habe beim Rauchen Deiner Olivenholzpfeifen, von denen ich mittlerweile drei Stück habe immer wieder festgestellt, daß diese extrem schnell abtrocknen und dadurch viel schneller wieder rauchbar sind, als es bei Bruyere-Pfeifen der Fall ist, ein weiterer Vorteil von Olive?
GW:
Wieder nur Vermutungen: Olive erscheint mir dichter als Bruyere zu sein und nach meinem Empfinden hat es auch nicht die Kapillarwirkung von Bruyere und das in Olive enthaltene Öl wird vermutlich auch seinen Beitrag dazu leisten.
Ich möchte an einen Artikel von Wolfgang Pointer auf daft erinnern, da wird ansatzweise davon gesprochen, dass Dunhill früher die Köpfe in Öl gesotten hat.
Vielleicht ergibt sich dieses Jahr die Möglichkeit dieses Thema in Fürfurt mit Rainer Barbie und anderen Pfeifenmachern diskutieren zu können.
SB: Ich habe eine Pfeife von Dir, die aus Ambouina gefertigt wurde. Zwei Dinge sind anzumerken, zum einen ist die Pfeife recht schwer, zum anderen habe ich das Gefühl, daß dieses Holz einen Eigengeschmack aufweist, der die Pfeife zu einer prädestinierten Pfeife für Virginia-Mischungen oder Flakes oder leichte Aromaten macht, da immer eine gewisse Eigensüße, ähnlich Kokosnuß beim Rauchen mitschwingt. Sind Ambuina-Pfeifen die richtige Wahl für „Süßkrämer“? Mit Latakia hat sie mir gar nicht gefallen wollen....
GW:
Mooreiche eignet sich besser für Latakia dieses Holz unterstützt mit seinem Modergeschmack bestens den „verbrannte Milchgeschmack des Latakia.
Ambuinamaser ist leider kaum in Top- Qualität zu bekommen sonst würde ich mehr „Süßholzpfeifen“ machen.
Ambuinamaser vom Stamm ist eine Wuchsanomaliem, der Stamm treibt sogenannte Wasserschösslinge aus, diese schrumpfen beim trocknen stärker als der Stamm, was dann kleinere Risse ergibt.
SB:
Weisen andere Hölzer auch solche charakteristischen Geschmackseigenheiten auf? Wenn ja, was passt Deiner Meinung nach zu welchem Tabak und was wäre eher nicht für Pfeifen geeignet, sondern eher was für Masochisten?
GW:
Imbuia auch Pfefferholz genannt was ich nicht nachvollziehen kann, mein empfinden war „Wick Vaporub“ das wäre was für Mentholraucher:-)
SB: Eine Imbuia-Pfeife von Dir kann ich ja auch mein Eigen nennen und Du hast Recht, das Menthol ist anfangs deutlich, verliert jedoch nach einigen Rauchopfern an Intensität und mittlerweile ist die Imbuia-Pfeife zu meiner Lieblingspfeife für „Orlik Brown Sliced“ geworden, der ein Bergamotte-Aroma aufweist. Dieses harmoniert meiner Meinung nach wunderbar mit dem Imbuia…
Da ich aber auch Menthol-Zigaretten rauche, war ich andererseits dennoch ein wenig enttäuscht. Hardcore-Mentholrauchern sollte man daher diese Illusion lieber gleich wieder nehmen.
GW: Ach…ein Fläschchen japanisches Heilöl kann ich gerne mitliefern…:-)
SB:
Spaß beiseite. Seit neuestem fertigst Du Deine Pfeifen auch in sandgestrahlter Ausfertigung an. Ich habe gesehen, daß Du auch hier einen Schritt weiter gehst und eben nicht nur Bruyere - übrigens sehen diese Pfeifen wirklich genial aus, die Du gestrahlt hast – sondern eben auch Olive und andere... Können wir da weitere Innovationen aus Gernsheim erwarten?
GW:
Olive und Ambuina sind sandgestrahlt nicht wirklich beeindruckend, daher ist in dieser Richtung nichts zu erwarten. Auf Bruyere bezogen kann ich aber sagen, dass Holz nicht gleich Holz ist. Will heißen, wenn die Maserung von vornherein schon nichts hergibt, kann man auch kein besonderes Ergebnis beim Strahlen erwarten.
Eins kann ich auch definitiv verraten: Alles was man bisher über den Druck und die Größe des Strahlmittels lesen konnte und verbreitet wurde hat sich als nicht haltbar erwiesen. Ich experimentiere weiter…
SB:
Gerhard, Du bist immer schon sehr experimentell gewesen, was kommt als nächstes? Was bringt die Zukunft? Kannst Du uns schon was verraten?
GW:
Wenn ich es weiß, dann ja:-)
SB: Danke für das kleine Interview!
Anmerkung....
Ein paar Tage nach diesem Interview erreichte mich eine Mail von Gerhard, in der er schrieb, daß er derzeit an "neuen" Formen arbeite. Ich habe ein paar Bilder erhalten, die ich hier vorstellen möchte...
schöne "klassische" Varianten......wie man sieht...
...ist der "Hexer" nicht zu unterschätzen ;o))
...die typische "Wilhelm" in gerade......und auch an eine Poker-Variante macht er sich ran,
wie man auf diesem Bild unschwer erkennen kann....

Wir dürfen also mehr als gespannt sein, was wir zu sehen bekommen, wenn Gerhard diese neuen Stücke fertiggestellt hat....
Eins ist jedenfalls sicher: Ich werde wieder zuschlagen ;o))