Uwe Jopp... 
![]() | Durch Gespräche mit Gerhard Wilhelm und durch eine Seit ein paar Jahren fertigt der hauptberuflich als Bauleitertätige Uwe Jopp in seiner Werkstatt am sächsischen „Tharandter Wald“ vor den Toren Dresdens handgefertigte Pfeifen |
Ich habe die Gelegenheit bekommen Uwe Jopp einen Fragekatalog zukommen zu lassen um ihn so zu interviewen...
S.B.:
Was hat es genau mit dieser Bogenbohrung auf sich. Was ist das Besondere daran? Wo liegen die Vorteile und was macht die Pfeifen zu was Besonderem?
U.J.:
Die Bogenbohrung vom Mundstück zur Tabakkammer ist eine raffinierte Technik, den Rauch ein ganzes Stück länger durch das Holz zu führen. Somit kann mehr Kondensat aus dem Rauch genommen werden und es entsteht ein kühlerer, angenehmerer Rauch. Dieser Effekt ist ähnlich wie bei einer Canadian nur in anderer Form. Wichtige Besonderheit ist weiterhin die Tatsache, daß der Rauchkanal nicht wie bei einer Bent im spitzen Winkel auf die Tabakkammer trifft was im Allgemeinen zu einem Wegbrennen des spitzen Holzkeiles zwischen Tabakkammer und Kanal führt (Riesenöffnung am Kanal = Ungenügender Tabakabbrand). Mein Kanal trifft sehr flach oder gar rechtwinklig auf die Tabakkammer. Es eröffnen sich mir neue Möglichkeiten der Gestaltung. Es ist möglich den Pfeifenkopf angenehm mit der Hand zu umschließen und den Daumen zwischen Kopf und Holm zu legen. Bei meinen Lesepfeifen z.B. ist der Pfeifenkopf aus dem Blickfeld gerückt.
(Ein Bild einer solchen Lesepfeife ist weiter unten auf dieser Seite abgebildet)

Pfeife mit "normalem" Rauchkanal Pfeife mit "Bogenbohrung" des Rauchkanals
S.B.:
Wieviele Pfeifen fertigen Sie pro Jahr?
U.J.:
ca.150-200
S.B.:
Wo kann man Ihre Pfeifen käuflich erwerben? Stellen Sie auch weiterhin auf Messen oder Treffen aus?
U.J.:
Diese besondere Art der Fertigung ist mir in den letzten Monaten gelungen. Die bisher gefertigte Stückzahl ließ es noch nicht zu, bundesweit an interessierte Händler zu liefern. Derzeit sind im neu eröffneten „Davidoff-Store“ in Dresden an der Frauenkirche erste Stücke zu sehen und käuflich zu erwerben. Meine Freehands in "Standardform"sind auch in Leipzig, Erfurt, Jena und Bonn zu sehen. Ich bin an weiteren Geschäftspartnern in den alten Bundesländern interessiert.
Mein Ziel wäre im kommenden Jahr nach Chicago zu fliegen. Wenn ich einen Partner finde, würde ich auch im kommenden Jahr auf der „Intertabak“ in Dortmund ausstellen.
S.B.:
Wie entstehen die Pfeifen? An der Schleifscheibe oder gar durch Vordrehen oder rein von Hand?
U.J.:
Meine Herstellungstechnologie unterscheidet sich zwangsläufig von anderen. Zuerst bohre ich den Rauchkanal, dann Tabakkammer anschließend forme ich an Teller -und Bandschleifer die Pfeife. Das Finish geschieht in Handarbeit bis hin zum 600er und 800er Blatt. Ich denke im kommenden Jahr auch an sandgestrahlte Oberflächen
Ein animierter Einblick in die Fertigung von Uwe Jopp... 
S.B.:
Viele Pfeifenmacher versuchen sich bereits an anderen Hölzern als Bruyere, so kommt z.B. Olive in Betracht. Wäre das was für Sie oder fertigen Sie gar bereits Pfeifen aus anderem Holz?
U.J.:
Ich fertige meine Pfeifen nur in Bruyere. Auf Wunsch in Kirschholz oder Olivenholz.
S.B.:
Gibt es Grading-System oder ist eines für die Zukunft geplant? Wie werden die Pfeifen gestempelt?
U.J.:
Gestempelt mit "Jopp" - Handmade, altes Grading mit a,b,c....habe ich aufgegeben, ein neues ist aber geplant.
S.B.:
In welcher Preislage sind Ihre Pfeifen für den Raucher erhältlich?
U.J.:
Die Preise liegen zur Zeit bei ca. 150,00 bis 250,00€
S.B.:
Sind Ihre Pfeifen auch für Einsteiger interessant oder gibt es da einen Tip, den Sie Anfängern bezüglich der Wahl der Pfeife mit auf den Weg geben würden?
U.J.:
Meine Pfeifen sind unkompliziert und angenehm rauchbar. Es ist nur die Frage ob unbedingt mit einer Handmade geübt werden muß…
S.B.:
Wie sehen Sie die Entwicklung des Pfeiferauchens? Gerade in der heutigen Zeit, wo es überall nur noch Rauchverbote geben soll.
U.J.:
Ich sehe die Pfeifenrauchkultur ähnlich die der Segelschiffe, die sind nicht verschwunden obwohl andere Antriebsmöglichkeiten entwickelt wurden. Das Gegenteil ist der Fall. Pfeifenraucher schaffen sich die Freiheiten um ihrer Individualität und ihrem Genuß und Geselligkeit zu frönen.
S.B.:
Was können wir uns für die Zukunft von Uwe Jopp erhoffen? Können wir auf etwas Besonderes gespannt sein?
U.J.:
Ich möchte meine Technik perfektionieren und die Bandbreite der Gestaltungsmöglichkeiten vergrößern. Die Oberflächen möchte ich auch sandgestrahlt anbieten.
S.B.:
Die extreme Biegung lässt die Frage nach der Reinigung aufkommen, gibt es da Probleme? Bei Bents kennt man das eigentlich, daß sie sich schwieriger reinigen lassen, als gerade Pfeifen und wie sieht es mit dem bekannten „Reinigertest“ bei Ihren Pfeifen aus?
U.J.:
Der Reinigertest funktioniert tadellos, weil der Rauchkanal in einem Zug gebohrt ist. Keine Besonderheiten beim allgemeinen Reinigen der Pfeifen.
S.B.:
Vielen Dank für das Interview.
Hier ein paar Bilder von den mit Bogenbohrung angefertigten Exemplaren...



(Lesepfeife für Rechtshänder)

Wir werden sicher noch einiges von Uwe Jopp
erwarten können und dürfen auf die Zukunft gespannt sein. Wer mehr über die
Pfeifen von Uwe Jopp erfahren will, kann sich auf dessen Internet-Präsenz www.jopp-pipes.de ein gutes
Bild machen und viele schöne Pfeifen bewundern.
Die Bilder (© Uwe Jopp) auf dieser Seite wurden mit freundlicher Genehmigung
des Pfeifenmachers verwendet.
