Charatan Pipes...                         



Die Firma Charatan, ein wohlbekannter Name in der Pfeifenwelt wurde 1863 vom russischen Emigranten Frederick Charatan in London gegründet.

Charatan war damals bereits ein Hersteller, der Bruyere-Holz importierte um diesen damals noch recht neuen Werkstoff zu Pfeifen zu verarbeiten.

Pfeifen aus diesem Hause, dessen Werkshallen sich nahe dem englischen Tower befanden waren begehrte Objekte und immer schon was besonderes. So stellte Charatan unter anderem die ersten "Freehands" her, Pfeifen also, die von den klassischen Standard-Formen abwichen.

Das Renommé dieses Unternehmens und dessen Produkte reichte aus um sich in der damaligen Upper-Class zu etablieren und so zählte auch das englische Königshaus zu den Kunden. In den 1960er Jahren war es Charatan, die eine Schallmauer durchbrachen, was die Preisgestaltung anging. So gab es damals Pfeifen die für den Preis von ca. 400,00 DM zu haben waren, was angesichts der damaligen Wirtschafts- und Finanzlage eine unsagbar hohe und stolze Summe für eine Pfeife war. Ein großer Absatzmarkt waren immer schon die USA, die nach Pfeifen vom "Kontinent", sprich der "alten Wert" gierten.

So stieg die Nachfrage und auch der Preis für die wunderbaren Stücke, bei deren Qualität nur wenige andere Hersteller mithalten konnte und eine Charatan war etwas besonderes.

Leider ist von der Firmengeschichte nicht viel übrig geblieben, was fundiert weitergegeben und berichtet werden kann, da die Firmenhallen und das Archiv im zweiten Weltkrieg den deutschen Bomben auf London zum Opfer fiel.

Als Frederick Charatan starb, übernahm sein Sohn Rubens Charatan die Firma seines Vaters und als er schließlich starb führte seine Witwe das Unternehmen noch ein paar Jahre weiter. Leider wollten die Enkel Frederick Charatans die Firma nicht übernehmen und so kam es 1977 zum Verkauf und  1978 endgültig zur Übernahme durch den Konkurrenten Dunhill.

Böse Zungen behaupten, daß Dunhill das Unternehmen nur gekauft habe um einen Konkurrenten auszuschalten und die Entwicklung von Charatan unter der Regie von Dunhill zeigt auch einen (nicht bewiesenermaßen von Dunhill verschuldeteten) stetigen Verfall von Qualität und Image des einstigen Traditions- und Nobelherstellers.
Es wird auch berichtet, daß nach der Übernahme Ende der 1970er Jahre viele Stücke die eigentlich eine hochqualitative Charatan hätten werden sollen von Dunhill zu einer der damals zwar selten angebotenen Dunhill-Freehands gestempelt wurden oder auch gutes Holz aus dem Charatan-Lager zu der ein oder anderen Dunhill verarbeitet wurde. Andererseits gibt es auch die Legende, daß die Charatan-Mitarbeiter sich gegen ihren neuen Brötchengeber zur Wehr gesetzt haben und als kleine "Racheaktion" viele Pfeifen falsch gradiert haben. So haben zum Beispiel viele eigentliche Specials die Fabrik als "Perfections", viele "Selected" als "Distinction" o.ä. verlassen. Man mag es nun glauben oder nicht, aber damit kommen wir zu...

Crown Achievement    Distinction

...Grades und Nomenclaturen


Die Stempelung und das Grading Charatans ist auch nicht immer klar und einfach nachzuzeichnen. So gibt es Quellen, die sagen, daß damals viele Pfeifen in der „Belvedere“-Gradierung von Auszubildenden und Lehrlingen gemacht wurden, damit diese das Handwerk (übrigens war alles bei Charatan in Handarbeit hergestellt, Kopierfräsen wurden der Überlieferung nach nicht eingesetzt, allerdings wurden einige der weniger hoch gradierten Stücke mit maschineller Hilfe gefertigt) erlernten und sobald das Holz Fehler aufwies, wurde daraus eine sandgestrahlte Pfeife. Waren die Fehler zu groß oder zuviel, wurde daraus schlicht und ergreifend „Feuerholz“.

Ich habe versucht durch das Grading-System durchzublicken und habe folgendes zusammengestellt. Sollte sich der Fehlerteufel eingeschlichen haben, erbitte ich eine entsprechende Nachricht und werde umgehend eine  Korrektur vornehmen.

Die Gradierung der Zeit lautete in aufsteigender Qualität:

"Rough/Rarity"
 – sandgestrahlte Pfeifen (Rough in Schwarz, allerdings oft nicht extra mit "Rough"
     gestempelt, Rarity als naturbelassene Pfeifen, ähnlich der „Tan-Shell“)

"Relief"
– sandgestrahlte Freehands (handgemachte Stücke mit kleineren Fehlern, die dann
    gestrahlt wurden, eingeführt nach der Übernahme durch Dunhill)

"Belvedere"
– dunkel-rötlich gebeizte, glatte Pfeife (im damals beliebtem „Englischrot“)

"Perfection"
 – goldbraun gebeizte, glatte Pfeife mit besserem Grain als die Belvedere

"Special"
 – naturbelassenes, nur gewachstes Finish (vergleichbar mit Dunhill's  "Root Briar")

"Distinction"
 – ähnlich der Special, aber mit besserem Grain, meistens Freehands oder abgewandelte
     klassische Formen, oft mit "Borke" am Kopfrand zu sehen, naturbelassen oder auch in
     rötlich gebeizt

"Executive"
 – Freehands, ausgewählte Stücke mit erstklassigem Grain, meistens sind die Formen             nach dem Grain gearbeitet und naturbelassen, aber es gibt wohl auch Pfeifen, die 
    rötlich-braun  kontrastgebeizt wurden

"After Hours"
 – Freehands, zusätzlich rötlich-braun kontrastgebeizt, verdelt mit einem Zwischenstück
     aus Elfenbein (später aus Kunstelfenbein)

"Selected"
 – besondere Pfeifen mit besonderem Grain, naturbelassen und gewachst, die
     handverlesen wurden, aber noch nicht für eine "Supreme" gereicht haben, ein noch
     so kleiner Fehler, oft nicht mal mit dem bloßen Auge zu erkennen reichte aus eine
     Supreme einer  "Degradierung" zur Selected zu unterziehen, wobei man in dieser
     Kategorie nicht wirklich von "schlechter" und "besser" reden kann und vieles wohl in 
     der Entscheidung des Mitarbeiters lag, der das Grading vorgenommen hat.

"Supreme"
 – Pfeifen die bis zur Einführung der späteren Abstufungsgradierung (eingeführt durch
    Dunhill) höchsten Klasse, mit aussergewöhnlichen Grain und makelloser Verarbeitung
    und absolut lupenreinem Holz,  entsprechend selten und bei Sammlern begehrt

"Coronation", "Achievement", "Crown Achievement" und " Summa Cum Laude" lauteten die, ebenfalls noch mal der Gradierung nach aufsteigenden Abstufungen der “Supreme” (nicht immer wirklich nachvollziehbare Qualitätsabstufungen die ebenfalls durch Dunhill eingeführt worden waren).

"Coronation" Freehand

1980 war ein weiteres Rekordjahr für Charatan, dem Jahr in dem eine von nur einer handvoll hergestellten "Summa Cum Laude" als höchstem Grade für einen Preis von 10.000$ verkauft wurde. Dem bis dahin höchsten Preis den je eine Pfeife erzielt hatte.

Danach wurde es jedoch ruhig um Charatan und Dunhill begann die Marke in gewisser Weise aussterben zu lassen. Es wurden nur noch wenige Stücke gefertigt, neues Material wurde für "Charatan" nicht mehr eingekauft und so kam es, wie es kommen musste. Die Firma schloß Ende der 80er ihre Pforten. Für immer, wie es damals schien. Gegen Mitte/Ende der 90er legte Dunhill jedoch wieder Charatans auf, eben weil die Nachfrage nach dieser englischen Pfeife zu groß war. Man gab also dem Druck nach, verlegte aber die Produktion nach Frankreich und so wurden in der gleichen Fabrik aus der auch Chacom und andere französische Pfeifen kamen wieder Charatans hergestellt.

Die bis heute gültige Gradierung dieser Pfeifen lautet in aufsteigender Qualität:

"Grosvenor"
 – sandgestrahlte Pfeifen, schwarz gebeizt

"Trafalgar"
 – rotlackierte Pfeifen, glatte Ausführung

"Knightsbridge"
 – braunlackierte Pfeifen, glatte Ausführung

"Mayfair"
 – naturbelassene, aber klarlackierte Pfeifen, glatt

Man erkennt hier das gleiche System, wie das welches Charatan seinerzeit eingeführt hatte, aufsteigend von sandgestrahlt über rot und braun, bis hin zu den naturbelassenen Pfeifen der Mayfair-Serie. Leider ist die Qualität nicht mit der, der alten Charatans zu vergleichen. Besonders die Lackierung und das Kitten von Fehlstellen machen diese Gradierung eigentlich zur Farce.

Käufer, die eine Charatan mit dem Charme der alten Zeit und der Qualität, sowie den erstklassigen Raucheigenschaften ihr Eigen nennen wollen, sollten daher auf dem Estate-Markt nach Pfeifen Ausschau halten, die noch die alten Namen tragen. Erkennen ob die Pfeife bereits unter Dunhill-Regie hergestellt wurde, kann man zum Beispiel an der Markierung „D.C.“ hinter der Shape-Nummer.

Die Nomenclatur von Charatans liest sich in der Regel wie folgt:

CHARATAN’S MAKE
LONDON ENGLAND

Freehands und große, rein handgemachte Stücke weisen folgende Nomenclatur auf:

“Charatan – Made by Hand in the City of London“

Die neuen Charatans werden wie folgt gestempelt:

„Charatan’s of London“ und entsprechend der Gradierung die Bezeichnung des Finishs.

 Von "Made in England" oder ähnlichem also keine Spur mehr, das ist ein gutes Indiz für das Alter und die Herkunft der Pfeife, wenn man sich ob der Typen-Bezeichnung nicht ganz sicher ist.

Eins ist aber sicher und eigentlich allen Charatan-Pfeifen gemein, der legendäre...


....Double-Comfort-Bit         

Ein weiteres charakteristisches Merkmal ist der Charatan-Typische "Double Comfort Bit", ein abgestuftes Sattelmundstück, dessen Bissfläche noch mal schlanker als der ohnehin abgeflachte Sattel der Mundstücke ist. Dieser Typ Mundstück wurde in England zum Patent angemeldet und so findet man auf dem Mundstück auf der linken Seite das eingestempelte, ineinander verschlungene "CP" (Charatan Pipes) und auf der anderen Seite den Registrierungs-Stempel "Regd No" und darunter die Nummer "203573".
 



Nach der Einführung dieses  Patents, wurden alle Charatans mit dem Double-Comfort-Bit-Mundstück ausgestattet.

Wollte ein Kunde dies nicht, wurde auch auf speziellen Wunsch ein anderes Mundstück angefertigt, die Pfeifen wurden daraufhin mit einem "X" hinter der Shapenummer versehen.

Auf dem nebenstehen Bild (zum Vergößern einfach anklicken) ist eine "Rough"-Pot aus meiner Sammlung zu sehen, die dieses "X" gestempelt hat.

Ein weiterer interessanter Artikel zu Charatan-Pfeifen stammt von Ivy Ryan, den ich dank der Hilfe eines interessierten Lesers meiner Homepage nun auch hier zur Verfügung stellen kann ----> Zum Artikel
                                                                             (Danke hierfür nochmal an Christian Preussler!!)


Abschließend gilt noch zu vermerken, daß viele der ehemaligen Charatan-Mitarbeiter heute in eigener Regie Pfeifen herstellt, so kann man zum Beispiel die Gründung der Marken "Upshall" und "Millville" auf ehemalige Mitarbeiter von Charatan zurückführen.


Mein Fazit:
                                                                           

 
 
Charatans sind erstklassige Pfeifen, allerdings nur, wenn man die alten in Betracht zieht.
Neuere Pfeifen (siehe oben), die auch als Filterpfeifen erhältlich sind, sind nur ein Abklatsch dessen, was Charatan einst verkörperte. Lange Zeit galten Charatans als die besten englischen Pfeifen, noch renommierter als die mit dem weißen Punkt.


Noch kann man auf dem Estate-Markt Glück haben und entsprechend gute Stücke zu vernünftigen Preisen bekommen. Sicher sind die höher gradierten Stücke auch nur zu höheren Preisen erhältlich, aber wert sind sie es allemal, zumal Charatan beides abdeckt, die klassischen englischen Shapes und auch Freehands.

Übrigens tauchen seit ein paar Jahren wieder neue Charatan-Freehands auf, die im Auftrag von Dunhill durch ausgewählte Macher aus erstklassigem Bruyere gefertigt werden und an die Tradition der alten Freehands anknüpfen sollen und auch – von dem was ich bisher gesehen und gehört habe - in Hinblick auf die Qualität durchaus mit dem mithalten können, was die Firma einst berühmt gemacht hat.

Leider sind diese Stücke aber recht selten und die Preise entsprechend hoch.

Mal sehen wie es sich entwickelt, wer weiß, vielleicht kann Charatan ja wieder zu einer renommierten Marke neben Dunhill avancieren...

Zu wünschen wäre es der Marke auf jeden Fall.

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